Arbeitszeugnis Formulierungen – Der umfassende Ratgeber für Zeugnisnote, Bedeutung & Beispiele

Ein Arbeitszeugnis begleitet Sie ein ganzes Berufsleben. Besonders die Formulierungen spielen eine entscheidende Rolle – denn vieles, was positiv klingt, ist in der Zeugnissprache codiert und entspricht klaren Noten. Dieser Ratgeber hilft Ihnen dabei, Formulierungen zu verstehen, Bewertungen richtig zu interpretieren und die Qualität Ihres Arbeitszeugnisses einzuschätzen.

Warum Formulierungen im Arbeitszeugnis so wichtig sind?

Arbeitszeugnisse müssen laut Gesetz wohlwollend formuliert sein – gleichzeitig sollen sie aber die tatsächliche Leistung widerspiegeln. Aus diesem Spannungsfeld hat sich die sogenannte Zeugnissprache entwickelt: freundlich klingende, aber sehr eindeutige Codes.

Viele Arbeitnehmer merken erst bei der Jobsuche, dass scheinbar positive Formulierungen wie „stets bemüht“ oder „zur Zufriedenheit“ in Wahrheit schlechte Bewertungen darstellen. Die Wirkung dieser Sätze auf Personalverantwortliche ist enorm – und oft entscheidend für die Einladung zum Vorstellungsgespräch.

 

Darum lohnt es sich, die Zeugnissprache zu kennen

  • Sie erkennen versteckte negative Aussagen.

  • Sie wissen, ob Ihr Zeugnis der Realität entspricht.

  • Sie vermeiden unfaire Noten oder missverständliche Formulierungen.

  • Sie lernen, was Arbeitgeber üblicherweise schreiben müssen.

Die wichtigsten Noten im Arbeitszeugnis – erklärt & verglichen

Die Formulierungen im Arbeitszeugnis folgen festen Mustern. Schon kleine Wörter wie „stets“ oder „voll“ können aus einer guten Note eine durchschnittliche machen. Die folgende Tabelle zeigt die typischen Codes der Gesamtbewertung.

 

Typische Gesamtbewertungen im Überblick:

NoteTypische FormulierungBedeutung
1 (sehr gut)„Er/Sie erledigte die ihm/ihr übertragenen Aufgaben stets zu unserer vollsten Zufriedenheit.“Herausragende Leistung, überdurchschnittlich
2 (gut)„… stets zu unserer vollen Zufriedenheit.“Gute, zuverlässige Leistung
3 (befriedigend)„… zu unserer vollen Zufriedenheit.“Solide Arbeit, Erwartungen erfüllt
4 (ausreichend)„… zu unserer Zufriedenheit.“Unterer Durchschnitt
5 (mangelhaft)„… im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit.“Es gab deutliche Probleme
6 (ungenügend)„… bemühte sich, die Aufgaben zu erfüllen.“Sehr schlechte Leistung, klare Warnung

Arbeitszeugnis-Formulierungen im Detail: Leistung, Verhalten & Kompetenzen

Ein qualifiziertes Arbeitszeugnis besteht aus mehreren Bewertungsbereichen. Jeder Bereich besitzt eigene Signalwörter, an denen sich die Note ablesen lässt. Im Folgenden finden Sie die wichtigsten Kategorien mit typischen Formulierungen – und was sie wirklich bedeuten.

Arbeitsbereitschaft & Motivation

NoteBeispiel-FormulierungBedeutung
1„Er/Sie zeigte stets eine sehr hohe Einsatzbereitschaft.“Überdurchschnittliches Engagement
2„… zeigte hohe Einsatzbereitschaft.“Gute und konstante Motivation
3„… zeigte Einsatzbereitschaft.“Standardformulierung
4„… war bemüht, seine/ihre Aufgaben zu erfüllen.“Schwache Leistung
5–6„Er/Sie zeigte Interesse an seinen Aufgaben.“Ironisch gemeint – negativ

Arbeitsweise

NoteBeispiel-FormulierungBedeutung
1„… arbeitete stets äußerst sorgfältig und effizient.“Perfekt
2„… arbeitete sorgfältig und effizient.“Gut
3„… arbeitete sorgfältig.“Befriedigend
4„… arbeitete mitunter sorgfältig.“Schwankende Qualität
5–6„Er/Sie zeigte Bemühungen, Aufgaben sorgfältig auszuführen.“Negativ

Fachwissen & Auffassungsgabe

NoteBeispiel-FormulierungBedeutung
1„Er/Sie verfügt über ein außerordentlich profundes Fachwissen, das er/sie stets sicher einsetzt.“Sehr gut
2„… verfügt über ein gutes Fachwissen, das er/sie sicher einsetzt.“Gut
3„… verfügt über solides Fachwissen.“Durchschnitt
4„… verfügt über Grundkenntnisse.“Unterdurchschnittlich
5–6„Er/Sie zeigte sich bemüht, Fachwissen zu erwerben.“Sehr negativ

Sozialverhalten & Teamfähigkeit

NoteBeispiel-FormulierungBedeutung
1„Sein/Ihr Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Kollegen und Kunden war stets vorbildlich.“Sehr gut
2„… war gut.“Positiv
3„… war einwandfrei.“Neutral
4„… war korrekt.“Negativ codiert
5–6„… war nicht zu beanstanden.“Deutlich negativ

Schlussformel im Arbeitszeugnis – unterschätzt, aber wichtig

Die Schlussformel ist formal nicht verpflichtend, doch sie wird im Bewerbungsprozess sehr genau gelesen. Fehlt sie oder fällt sie knapp aus, kann das negativ wirken.

FormulierungInterpretation
„Wir danken ihm/ihr für die stets ausgezeichnete Arbeit und bedauern sein/ihr Ausscheiden sehr.“Note 1
„Wir danken ihm/ihr für die guten Leistungen und wünschen weiterhin Erfolg.“Note 2
„Wir wünschen ihm/ihr für die Zukunft alles Gute.“Note 3
„Wir wünschen ihm/ihr alles Gute.“ (ohne Dank, ohne Bewertung)Note 4
Schlussformel fehlt komplettOft sehr negativ

Häufige Fehler im Arbeitszeugnis – und wie man sie erkennt

Viele Zeugnisse enthalten Fehler – oft unbeabsichtigt, manchmal aber auch bewusst. Als Arbeitnehmer sollten Sie wissen, worauf Sie achten müssen, um Benachteiligungen zu vermeiden.

 

Typische Fehler:

  • Widersprüchliche Aussagen

  • Unklare Aufgabenbeschreibung

  • Fehlende Leistungsbewertung

  • Negativ-Codes („bemüht“, „im Großen und Ganzen“)

  • Rechtschreibfehler oder unvollständige Daten

  • Schlechte Schlussformel oder fehlende Schlussformel

FAQ zum Arbeitszeugnis & Arbeitszeugnis-Formulierungen

Habe ich Anspruch auf ein qualifiziertes Arbeitszeugnis?

Ja. Jeder Arbeitnehmer in Deutschland hat einen gesetzlichen Anspruch auf ein qualifiziertes Arbeitszeugnis, das sowohl Aufgaben als auch Leistungen und Sozialverhalten bewertet.

Ja, das ist gesetzlich vorgeschrieben („Wohlwollenspflicht“). Trotzdem können die Aussagen in der Zeugnissprache negativ codiert sein, obwohl sie höflich klingen.

Ja. Wenn Bewertungen nicht stimmen, missverständlich sind oder gegen rechtliche Standards verstoßen, dürfen Sie eine Korrektur verlangen. Arbeitgeber müssen ein faires, wahrheitsgemäßes Zeugnis ausstellen.

Direkte Schulnoten sind unzulässig. Arbeitgeber nutzen stattdessen Formulierungen, die Schulnoten entsprechen. Eine Note „verweigern“ kann er also nicht – aber er kann durch Formulierungen eine schlechtere Note ausdrücken.

Jede Note hat typische Formulierungen.
Beispiel:

  • „stets zu unserer vollsten Zufriedenheit“ → Note 1

  • „zu unserer vollen Zufriedenheit“ → Note 3

  • „bemühte sich“ → Note 5–6

Schon kleine Unterschiede in Wörtern geben die Bewertung preis.

„Stets“ ist ein typisches Note-1/2-Signalwort.
Fehlt es, rutscht die Bewertung meist eine Note nach unten.

Auch wenn es ungewöhnlich klingt, ist es ein etablierter Bestandteil der Zeugnissprache und entspricht eindeutig Note 1.

Sie dürfen eine Änderung verlangen, wenn die Formulierungen:

  • negativ codiert sind,

  • nicht Ihrer Leistung entsprechen,

  • rechtlich unzulässig sind.

Sie müssen allerdings üblicherweise Verbesserungsvorschläge machen.

Ja.
Fehlt z. B. die Bewertung des Sozialverhaltens, wird dies in der Praxis oft als negatives Zeichen interpretiert.

Es klingt positiv, ist aber ein typischer Note-4-Code.
Er bedeutet: „nichts Auffälliges – aber auch nichts Positives“.

Ja, aber es wirkt sehr negativ, da:

  • kein Dank,

  • kein Lob,

  • kein Bedauern
    ausgedrückt werden

Ja – aber:

  • Bei Note 1–2 müssen Sie beweisen, dass Ihre Leistung entsprechend war.

  • Bei Note 4 oder schlechter muss der Arbeitgeber die schlechte Bewertung rechtfertigen.

Sehr wichtig.
Beispiel: „Er war ehrlich und fleißig.“
→ „ehrlich“ wird oft negativ interpretiert, weil es selten erwähnt wird.
Dies gilt als versteckte Warnung.

Üblich sind 2–3 Wochen nach Ende des Arbeitsverhältnisses.
In dringenden Fällen (z. B. Bewerbungen) können Sie früher darum bitten.

  • Einleitung (Daten, Position)

  • Aufgaben

  • Leistungsbewertung

  • Sozialverhalten

  • Schlussformel

  • Ort & Datum

  • Unterschrift

Fehlt etwas, wirkt es meist nachteilig.

Nein.
Das Zeugnis muss in sich konsistent sein.
Widersprüche wirken negativ und können anfechtbar sein.

Ja.
Sie wirken unprofessionell und können die Glaubwürdigkeit des Arbeitnehmers ungewollt beeinträchtigen.
Fehler können korrigiert werden.

  • „Bemüht“

  • „Im Großen und Ganzen zufrieden“

  • „Zeigte Interesse“

  • „War gesellig“

  • „War stets pünktlich“ (→ Fokus auf Pünktlichkeit = andere Probleme?)

  • „War ehrlich“ (→ unübliche Betonung)

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